Ursachen und Hintergründe

Das viele Erwachsene nicht ausreichend lesen und schreiben können, hat unterschiedliche Ursachen:

  • Sie wurden in der Schule und im Eternhaus nicht ausreichend gefördert.
  • Sie haben gesundheitliche Einschränkungen oder waren länger krank.
  • Sie sind in schwieirigen Verhältnissen ausgewachsen.

Wer das Lesen und Schreiben in den ersten Schuljahren nicht ausreichend gelernt hat, kann es im weiteren Schulverlauf kaum nachholen. Weiterführende Schulen bieten hier keine Angebote.

Menschen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten versuchen, Situationen, in denen sie lesen und schreiben müssen, zu vermeiden oder anders zu lösen. Häufig übersehen sie schriftliche Informationen wie Termine, Behördenbriefe, Rechnungen oder Sicherheitshinweise im Job.

Auch am Schriftbild und an der Art und Weise, wie jemand schreibt, kann man erkennen, dass er wenig Übung hat. Erwachsene mit Lese- und Schreibschwierigkeiten schreiben, wie sie Wörter hören.

So können Sie helfen!

 
Ansprechen

Sprechen Sie Ihren Mitmenschen in einer vertraulichen Situation auf das thema an und schenken Sie ihm zeit und Aufmerksamkeit. Oft sind Menschen, die Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben haben, erleichtert, wenn man sie auf ihr Problem anspricht und sie es nicht mehr verbergen müssen.


Vermitteln

Weisen Sie auf konkrete Lernmöglichkeiten hin, die bundesweit von Volkshochschulen und anderen Bildungseinrichtungen angeboten werden. Auch im Internet gibt es Angebote zum Lesen- und Schreibenlernen, z.B. das vhs-lernportal.de


Anrufen

Rufen Sie das ALFA-Telefon an. Am ALFA-Telefon informieren Expert*innen anonym und kostenlos über passende Lernangebote sowie Selbsthilfegruppen in der Region und vermitteln Ansprechpartner*innen vor Ort.

Das kostenlose ALFA-Telefon hilft: 0800 53 33 44 55
Alpha-Level 1:

Personen fällt es schwer, auch einzelne Buchstaben zu erkennen

Alpha-Level 2:

Personen können einzelne Wörter lesend verstehen, müssen sie aber Buchstabe für Buchstabe umsetzen.

Alpha-Level 3:

Personen können einzelne Sätze lesen oder schreiben, aber keine zusammenhängenden Texte.


Alpha-Level 4:

Personen auf diesem Alpha-Level erreichen im Lesen und Schreiben zwar die Textebene, schreiben und lesen auf Satz- und Textebene aber auch bei gebräuchlichen Wörtern weiterhin langsam und/oder fehlerhaft. Die Rechtschreibung, wie sie bis zum Ende der Grundschule unterrichtet wird, wird nicht hinreichend beherrscht.

Wissenschaftliche Studien

71 Prozent der Bevölkerung ab 16 Jahre finden es wichtig und notwendig,
dass man gut lesen kann. 

Anlässlich der Halbzeit der AlphaDekade (2016-2026) haben Stiftung Lesen und die AlphaDekade im Winter 2020 eine bevölkerungsrepräsentative Studie zur Bedeutung von Lesen im Alltag von Erwachsenen beauftragt. Das Institut für Demoskopie Allensbach befragte insgesamt 1022 Personen ab 16 Jahre. Die Interviews wurden mündlich-persönlich von 320 geschulten Interviewerinnen und Interviewern durchgeführt. Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung
 

Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Frage, welche Bedeutung Lesen und Schreiben für die Bevölkerung in einer sich schnell verändernden Welt im Alltag haben.

Mithilfe von Trendanalysen sollte der Frage nachgegangen werden, inwieweit sich die Bedeutung von Lesen und Schreiben in den letzten Jahren verändert hat und ob die Bevölkerung selbst einen Bedeutungswandel festgestellt hat. Zudem galt es den besonderen Einfluss der aktuellen Corona-Pandemie zu untersuchen: Inwieweit verändert die Corona-Pandemie die Schreib- und Leseanlässe, inwieweit das Informationsverhalten?

Weitere Informationen zur Studie finden Sie hier.

Jeder 8. Erwachsene hat Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben. 

Die zweite Studie LEO 2018 - Leben mit geringer Literalität erfasst die Lese- und Schreibkompetenzen der Deutsch sprechenden erwachsenen Bevölkerung (18-64 Jahre) und berichtet dies für die Alpha-Levels im Lesen und Schreiben. Die Studie schreibt die Ergebnisse der LEO – LevelOne Studie aus dem Jahr 2010 fort (Grotlüschen & Riekmann 2012). Laut der Studie gelten 6,2 Millionen Erwachsene als gering literalisiert.

Hier einige der wichtigsten Ergebnisse:
  • Von den Deutsch sprechenden Erwachsenen lesen und schreiben im Jahr 2018 noch 12,1 Prozent auf einem niedrigen Kompetenzniveau.
  • Rund 6,2 Millionen Erwachsene verbleiben im Bereich geringer Literalität. Das bedeutet, die Lese- und Schreibkompetenz der Erwachsenen entspricht den Alpha-Levels 1-3.
  • Mit 58,4 Prozent sind mehr Männer unter den gering literalisierten als Frauen.
  • Den größten Teil der gering literalisierten Erwachsenen machen Erwachsene über 45 Jahre aus

Die Größenordnung des Funktionalen Analphabetismus in Deutschland ist mit 7,5 Millionen Menschen (14,5 % der erwachsenen Bevölkerung) deutlich höher als der bisherige Schätzwert von etwa vier Millionen. Diese Erwachsenen lesen so schlecht, dass sie im Alltag gelegentlich oder grundsätzlich auf Unterstützung angewiesen sind. Darüber befinden sich weitere 13,3 Millionen Erwachsene, deren Schriftsprache auch bei gebräuchlichem Wortschatz fehlerhaft ist (Alpha-Level 4 und höher). Die Erkenntnisse aus der LEO-Studie bilden die Grundlage für viele weitere Studien und Projekte im Bereich Alphabetisierung und Grundbildung. Hier einige der wichtigsten Ergebnisse:

Verteilung nach Alpha-Levels:
  • auf Alpha-Level 1 liegen etwa 0,3 Millionen Menschen (0,6 %)
  • auf Alpha-Level 2 liegen etwa 2 Millionen Menschen (3,9 %)
  • auf Alpha-Level 3 liegen etwa 5,2 Millionen Menschen (10 %)
  • insgesamt liegen etwa 7,5 Millionen Menschen (14,5 %) auf den Alpha-Levels 1 bis 3 und sind somit dem Funktionalen Analphabetismus zuzurechnen
  • darüber hinaus liegen etwa 13,3 Millionen Menschen (25,9 %) auf Alpha-Level 4
Die Gruppe der 16- bis 35-Jährigen weist beim Lesen, in der Alltagsmathematik und beim computerbasierten Problemlösen höhere Kompetenzen auf als die Gruppe der 55- bis 65-Jährigen.

PIAAC (Programme for the International Assessment of Adult Competencies) ist eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die zum Ziel hat, Kompetenzen Erwachsener im internationalen Vergleich zu untersuchen. Mit dem nationalen Projektmanagement von PIAAC in Deutschland hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)  GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften für die Laufzeit von 2018 bis 2023 beauftragt. Zudem ist GESIS Teil des internationalen Konsortiums von PIAAC und hier für die Validierung und Übersetzung des Hintergrundfragebogens verantwortlich.

Weiterführende Informationen: